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Lobo in der Presse: Stadtmagazin Prinz 08/02

Veröffentlicht in: 'Prinz' Frankfurt, 08/02, Seite 16:

Drei Frankfurter haben eine Geisterstadt gekauft, um sie als Ort der Kultur wiederzubeleben

Die glorreichen Drei

(c) 2002 PRINZ
[ Original-Artikel ]
Irgendwo in Texas, etwa 130 Meilen östlich von El Paso, stehen fünf Häuser, ein Motel, eine Tankstelle und ein Swimmingpool. Der nächste große Supermarkt ist drei Autostunden entfernt, ab und zu rauscht der Union Pacific Train vorbei und die Sonne geht filmreif am Horizont unter.

Das ist Lobo.

Eine ganz normale Stadt in der Wüste Amerikas? Nicht ganz. Seit 1981 ist Lobo ausgestorben, eine Geisterstadt. Aber das soll sich jetzt ändern. Drei Frankfurter wollen Lobo wieder Leben einhauchen. Der IT-Spezialist Claus-Peter fuhr vor Jahren an diesem kleinen Teil des Wilden Westens vorbei, fing an zu träumen und erzählte Alexander , damals noch Betreiber des Dreikönigskellers, davon. Der wiederum begeisterte Annette , Kuratorin der Galerie Fruchtig und am Mousonturm, von der Idee, die Stadt gemeinsam zu kaufen. Verrückt. Aber: geträumt, getan.

Zusammen mit Investoren, Neu-Bürgern und Freunden wird nun der Wiederaufbau finanziert. Die Vision: ein Ort, an dem Menschen in der Abgeschiedenheit der Wüste ihre Ideen realisieren, an dem Festivals, Kunstausstellungen und Partyevents stattfinden. Annette ist gerade aus Texas zurück, zeigt Fotos und schwärmt von ihren Eindrücken: "Lobo ist ein Fleckchen mit 'Soul'. Es liegt wunderschön zwischen zwei Bergketten - und nachts leuchten Milliarden Sterne vom Himmel." Fast alle Wohneinheiten hat sie schon an befreundete Künstler und Interessierte verkauft. Jetzt wird gewerkelt. "Erstmal haben wir die Basics eingerichtet: das Duschhaus, den Brunnen und die Stromleitungen in Stand gesetzt."

Im Gegensatz zur benachbarten Künstlerkolonie Marfa, die von dem Minimalisten Donald Judd gegründet wurde, wird Lobo immer rau bleiben. "Wir übersetzen Lobo auch mit 'Low Life Bohemians'. Das heißt: Wir haben die Ideen und die Bildung, aber kaum Geld", sagt Annette . Daher sind die Neugründer auch für jeden "Friend of Lobo" dankbar, der das Projekt mit einer einmaligen Spende von 200 Euro unterstützt. Geld, das nicht in den Wüstensand gesetzt ist. Außer der kostenlosen Teilnahme an allen kulturellen Veranstaltungen erhält man dafür auch lebenslanges Aufenthaltsrecht in der Stadt. Und das bedeutet Freiheit, das meistgesagte Wort von Annette - neben Umschreibungen für Ursprünglichkeit: "Dort hat sich nicht viel verändert. Wie in alten Western-Filmen werfen Cowboys auf Pferden immer noch ihre Lassos nach Rindern aus. Allein an den Handys in ihren Hüfttaschen erkennt man, dass wir im Jahr 2002 leben."

Sylvia Meilin Weber

(Prinz Frankfurt, 08/02, Seite 16)



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